Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA)
Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA) sind im BIM-Kontext das vom Auftraggeber definierte „Lastenheft“ für Informationen: Sie legen fest, welche Informationen in welcher Struktur, Qualität, Detailtiefe und zu welchen Zeitpunkten von den Auftragnehmern bereitzustellen sind, um die Ziele des Auftraggebers über Planung, Bau und Betrieb eines Bauwerks hinweg zu erreichen. AIA beruhen u. a. auf ISO 19650 und bilden die inhaltliche Grundlage für den BIM-Abwicklungsplan (BAP).(wissen-aufladen.de)
Im BIM-Prozess erscheinen die AIA sehr früh – idealerweise vor Ausschreibung bzw. Angebotsaufforderung – als vertragliche Vorgabe des Auftraggebers. Sie konkretisieren das BIM-Verständnis des Bauherrn, beschreiben Anwendungsfälle (Use Cases), Ziele, benötigte Daten (z. B. nach LOIN/Level of Information Need), Modellinhalte und geforderte Abgabeformate sowie Rollen, Verantwortlichkeiten und Kollaborationsprozesse. Damit dienen sie als Grundlage für den projektspezifischen BAP, in dem die Auftragnehmerseite ihrerseits beschreibt, wie diese Anforderungen technisch und organisatorisch erfüllt werden (Pflichtenheft).(bauindustrie.de)
Typische Anwendungen der AIA sind: Definition, welche modelbasierten Liefergegenstände (Modelle, Pläne, Auswertungen) zu bestimmten Meilensteinen vorliegen müssen; Festlegung von Qualitätssicherungs- und Freigabeprozessen; Vorgaben zu Level of Geometry/Information, Datenformaten (z. B. IFC) und Informationsflüssen für Planung, Ausführung und späteren Betrieb. Im öffentlichen Hoch- und Infrastrukturbau werden standardisierte Muster-AIA eingesetzt, um eine einheitliche BIM-Anwendung sicherzustellen und verschiedene Projektbereiche (z. B. Straßen-, Schienen-, Wasserstraßen- und Hochbau) zu harmonisieren.(bimdeutschland.de)
Praxisbeispiel
Eine öffentliche Bauträgerin plant ein neues Verwaltungsgebäude. Bereits vor der Ausschreibung erstellt sie eine unternehmensweite AIA-Vorlage nach ISO 19650 und passt sie projektspezifisch an: Für die Entwurfs- und Ausführungsplanung werden konkrete LOIN-Stufen für Architektur-, Tragwerks- und TGA-Modelle festgelegt, einschließlich IFC-Abgabeformaten, Modellprüfregeln und Meilensteinen (z. B. Vorplanung, Entwurfsplanung, Ausführungsplanung). Diese AIA wird den Bietern mit den Vergabeunterlagen bereitgestellt. Nach Zuschlag entwickelt das beauftragte Planungsteam darauf basierend den BIM-Abwicklungsplan (BAP), in dem modellbasierte Workflows, Verantwortlichkeitsmatrix, CDE-Struktur und QS-Prozesse beschrieben sind.
