Lebenszykluskosten (Life Cycle Costs, LCC) bezeichnen die Summe aller Kosten, die durch ein Bauwerk, ein bauliches System oder ein technisches Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg verursacht werden. Dazu zählen neben den einmaligen Investitions- und Herstellungskosten insbesondere die laufenden Betriebs-, Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten sowie Kosten für Modernisierung, Rückbau und Entsorgung; gegebenenfalls werden auch Restwerte am Ende der Nutzung berücksichtigt. Ziel der Lebenszykluskostenbetrachtung ist es, wirtschaftliche Entscheidungen nicht nur auf den Anfangsinvestitionen, sondern auf den langfristigen Gesamtaufwendungen zu basieren und damit nachhaltige, kostenoptimierte Lösungen zu wählen. (kvp.de)
Im BIM-Kontext werden Lebenszykluskosten typischerweise phasenübergreifend von der strategischen Planung über Entwurf, Ausführung und Nutzung bis hin zum Rückbau betrachtet. LCC-Analysen sind ein Kernelement des nachhaltigen Bauens und fließen unter anderem in Green-Building-Zertifizierungen wie DGNB ein, in denen die „Kosten des Gebäudes im Lebenszyklus“ explizit bewertet werden. (libertygroup.ba)
Praktisch erfolgt die LCC-Betrachtung auf Basis strukturierter Kostengliederungen (z.B. nach DIN 276 oder eBKP-H) und standardisierter Leitfäden und Werkzeuge, etwa des LCC-Leitfadens und zugehöriger Kalkulationswerkzeuge im Hochbau. Diese unterstützen die Ermittlung, Prüfung und den Vergleich von Varianten - zum Beispiel unterschiedliche Fassaden- oder Haustechniksysteme - über definierte Betrachtungszeiträume von häufig 30 bis 50 Jahren. (crb.ch)
In BIM-Projekten werden relevante Kostenkennwerte objektspezifisch an Bauteile (z.B. Wände, Fenster, technische Anlagen) im digitalen Modell angehängt und mit Nutzungsdauern, Wartungsintervallen und Energieverbräuchen verknüpft. So können bereits in frühen Leistungsphasen Varianten automatisiert hinsichtlich ihrer Lebenszykluskosten verglichen werden, um etwa zwischen einem höheren Dämmstandard mit geringeren Betriebskosten und einer günstigeren, aber energieintensiveren Ausführung abzuwägen. (crb.ch)
In einem BIM-Projekt für ein Bürogebäude werden für mehrere Fassadenvarianten (Standard-Verglasung, Dreifachverglasung, vorgehängte hinterlüftete Fassade) im Modell Investitionskosten, erwartete Energieverbräuche, Wartungszyklen und Rückbaukosten hinterlegt. Auf Basis dieser Daten wird eine LCC-Analyse über 50 Jahre durchgeführt. Obwohl die Dreifachverglasung höhere Herstellungskosten verursacht, zeigt die Auswertung deutlich niedrigere Energie- und Instandhaltungskosten, sodass ihre Lebenszykluskosten insgesamt geringer sind. Die Bauherrschaft entscheidet sich daher für diese Variante, um langfristig wirtschaftlicher und nachhaltiger zu bauen. (libertygroup.ba)