Baufortschrittsdokumentation per Drohne bzw. 360‑Scan bezeichnet die systematische, wiederkehrende Erfassung des Ist‑Zustands einer Baustelle mittels UAV‑Drohnen (Luftbilder, Orthofotos, 3D‑Punktwolken) und/oder 360‑Grad‑Kameras (Panoramen, virtuelle Rundgänge), um den Baufortschritt objektiv, lückenarm und zeitlich vergleichbar zu dokumentieren und auszuwerten – oft im Abgleich mit einem BIM‑Modell.
Im BIM‑Kontext wird diese Form der „Reality Capture“ genutzt, um as-built‑Daten (Punktwolken, Meshes, 360‑Touren) mit dem as-planned‑BIM‑Modell zu verknüpfen. Drohnenflüge liefern insbesondere bei großen, horizontal ausgedehnten oder infrastrukturellen Projekten hochaufgelöste Luftbilder und 3D‑Scans, die georeferenziert und automatisiert mit dem BIM‑Koordinatensystem abgeglichen werden können, um Elementzustände, Mengen und Abweichungen zu erkennen. 360‑Kameras, häufig helm‑ oder stangenmontiert, eignen sich vor allem für Innenausbau und technisch komplexe Bereiche, in denen regelmäßige virtuelle Begehungen und Zeitreihen („Time Travel“) erstellt werden.
Eingesetzt wird die Baufortschrittsdokumentation per Drohne/360‑Scan überwiegend in der Ausführungsphase, teilweise auch in frühen Erd‑ und Rohbauphasen und zur Beweissicherung beim Projektabschluss. Typische Anwendungen sind: visuelle Fortschrittskontrolle, Abgleich von Termin‑ und Bauablaufplanung (4D), Qualitätskontrolle, Nachtrags‑ und Claim‑Management, Dokumentation für Zahlungen (z. B. automatisierte Fortschrittsbewertung als Basis für Abschlagsrechnungen), Sicherheits‑ und Mängelmanagement sowie die Erstellung von digitalen Zwillingen. Softwareplattformen binden Drohnen‑ und 360‑Daten zunehmend direkt an BIM‑Modelle und Projektmanagementsysteme an und ermöglichen so automatisierte Fortschrittsanalysen und Dashboards.
Ein Praxisbeispiel ist ein großes Infrastrukturprojekt, bei dem wöchentlich Drohnenflüge durchgeführt und zusätzlich 360‑Rundgänge im Innenbereich aufgenommen werden. Aus den Flugdaten wird eine georeferenzierte Punktwolke generiert und mit dem BIM‑Modell verglichen; Algorithmen erkennen, welche Bauteile (z. B. Trassen, Fundamente, Decken) vollständig, teilweise oder noch nicht hergestellt sind und generieren Berichte für Bauleitung und Bauherr. Parallel können die Projektbeteiligten über einen webbasierten 360‑Viewer virtuell durch das Bauwerk gehen, Dokumentationsstände mehrerer Wochen vergleichen und auf dieser Basis Entscheidungen zu Terminsteuerung, Zahlungen und Qualität treffen.
Bei einem Bürohochhaus werden jede Woche 360‑Rundgänge mit einer helm‑montierten Kamera aufgenommen. Die Aufnahmen werden automatisch auf den Grundrissen verortet und mit einem cloudbasierten BIM‑Viewer verknüpft. Die Bauleitung kann Räume in unterschiedlichen Kalenderwochen direkt vergleichen, den Ausbaugrad von Wänden, Decken und TGA‑Installationen visuell prüfen und Abweichungen zur 4D‑Bauzeitenplanung markieren.
Auf einer großflächigen Erschließungsmaßnahme (Straßen‑ und Leitungsbau) fliegt eine Drohne in festgelegten Intervallen standardisierte Routen ab. Aus den Luftbildern werden Orthofotos und 3D‑Punktwolken erzeugt, die mit dem BIM‑Modell der Trassenplanung verschnitten werden. Die Software ermittelt automatisch den Fertigstellungsgrad einzelner Abschnitte, dokumentiert Erdbewegungen und ermöglicht der Bauherrschaft eine transparente, geometrisch belegte Grundlage für Abschlagszahlungen und Nachtragsverhandlungen.